Ullamaija Kivikuru
With the growing speed of the news apparatus and the harsh media competition found in practically all countries in the world today, conflict and disaster reporting have become a central part of front-page journalism. However, the tsunami on 26 December 2004 was exceptional in its scope. The catastrophe that caused the death of 300,000 people became the most reported natural disaster in history, prompting millions of news stories and a flood of funding amounting to over US$ 9 billion, according to Reuters. On the other hand, the tsunami coverage brought up issues which characterise the whole field of catastrophe communication in today's world.
Ein Grund für die große Zahl der Schlagzeilen zu diesem Tsunami war, dass er als „neuer“ Typ der Katastrophe erschien, weil er auch Auswirkungen auf weit entfernte Länder hatte. Es war kein politischer Konflikt. Es war nicht eine der jährlichen Fluten oder Monsune, sondern dieser Tsunami stellte ein attraktives Thema für Journalisten dar: Der Kampf der Menschen gegen die Natur hatte die Medien schon vorher stets fasziniert. Das Wort Tsunami wurde nun in das globale Vokabular aufgenommen. Bis 2004 war es nur in den Diskursen von Fachleuten vorgekommen.
Auch wenn die Zahl der Toten und die Zerstörungen in Indonesien bei weitem am höchsten waren, mussten auch die anderen acht betroffenen Länder ihren Teil der Last dieser Katastrophe tragen. Touristen aus dem wohlhabenden Norden lernten, dass ihre sozialen Versorgungssysteme sie nicht vor schmerzlichen Erfahrungen schützen, wenn der Tsunami zuschlägt. Daher ist es gerechtfertigt festzustellen, dass der Tsunami im Gegensatz zu den meisten anderen Katastrophen Auswirkungen auf die ganze Welt hatte. Die Tsunami-Erfahrungen belegen auch den zynischen Tatbestand, dass die globale Medien-Tagesordnung begrenzt und von Eigennutz geprägt ist. Das Erdbeben in Pakistan hat niemals eine gleich hohe Aufmerksamkeit erreicht, weil es die Industrienationen nicht direkt betraf. Und während die Welt die ganze Aufmerksamkeit auf die Tsunami-Erfahrungen und seine Folgen konzentrierte, verschwand das Leiden in Darfur – das eine gleich hohe Zahl von Toten wie der Tsunami forderte – aus dem Blickwinkel der Medien.
Ohne Zweifel hat die enorme Publicity geholfen, die Unterstützungsgelder aufzubringen, die die Folgen des Tsunami in den Ländern am Golf von Bengalen mildern halfen, selbst wenn die Hilfsmaßnahmen vor allem am Anfang schlecht koordiniert waren. Es ist nachgewiesen, dass der Umfang der Katastrophenhilfe in hohem Maße von der Größe der Schlagzeilen beeinflusst wurde. Als die Schlagzeilen kleiner wurden, sank parallel das öffentliche Interesse an der Thematik. Der Tsunami galt nun als „erledigt“. Auf diese Weise stößt das Vertrauen in die Medienberichterstattung an ihre Grenzen. Medienbeachtung ist kurz, anarchisch und launenhaft. Dabei sind die Nachrichten das wichtigste Mittel, um diese Beachtung zu finden. Das hat zur Folge, dass die Ursachen und Konsequenzen von Katastrophen nur selten angemessen in den Medien behandelt werden. Die Hilfsorganisationen versuchen, Gelder für langfristige Hilfe zu erhalten. Dazu gehören zum Beispiel Frühwarnsysteme, die das menschliche Leiden vermindern würden, aber der Bau solcher Infrastrukturen benötigt eine langfristige und systematische Finanzierung. Eine hektische Medienbeachtung verspricht nicht allzu viel Unterstützung für solche langfristig angelegten Bemühungen. Für den längerfristigen Informationsaustausch haben sich lokale Netzwerke als die besten Partner erwiesen. Die Zivilgesellschaften scheinen sehr viel besser die lokalen Prioritäten kommunizieren zu können. Auch schaffen sie Netzwerke, die den Menschen in Südostasien die Zeit und den Raum geben, um mit dem Geschehenen fertig zu werden. Allerdings waren auch der Staat und das Militär für die Hilfsmaßnahmen erforderlich und es scheint, dass es für Nichtregierungsorganisationen schwierig ist, mit öffentlichen Stellen zusammenzuarbeiten, die eine völlig andere Weltsicht haben als sie selbst. Dies ist zum Beispiel im „World Disasters Report 2005“ im Detail dargestellt worden. Aber die merkwürdigen Verbindungen, die durch die Kommunikationsnetze in den ersten Monaten nach dem Tsunami entstanden sind, könnten auf lange Sicht eine Rolle auf dem Weg zu einer demokratischen Kommunikation in den Gesellschaften spielen, die vom Tsunami betroffen waren.
Der Wiederaufbau braucht Zeit und hat viele Phasen. Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam, der vor Ort arbeitet, sagte im März 2005: „Die Menschen gehen durch die üblichen Phasen der Genesung: Schock und Leugnung, Frustration und Zorn, dann die Genesung. Der Zorn besitzt eine große Kraft!“ In den Monaten nach dem Tsunami war dieser Zorn teilweise in der Lage, die bürokratischen Strukturen aufzubrechen, die Hilfsaktionen oft behindert haben. Der Zorn der Menschen vor Ort hat zumindest gelegentlich die Kommunikation demokratischer gemacht. Dies sollte nicht romantisiert werden, aber es sollte in Erinnerung bleiben. Die Opfer von Katastrophen sind motiviert und innovativ, wenn man ihnen dazu eine Chance gibt.
Weltweite Aufmerksamkeit ist eher kurzfristig und stark an eigenen Interessen orientiert. Sie wendet sich dem Nächstliegenden zu. In den nordischen Staaten zum Beispiel konzentrierte sich nach einem ersten Schock von zwei Tagen 80-85% der gesamten Berichterstattung auf die eigenen Bürger. Nachdem alle Finnen, Dänen, Schweden und Norweger nach Hause gebracht worden waren, wurden die Schlagzeilen kleiner und die Beiträge behandelten ausschließlich die heimischen Probleme, die vom Tsunami verursacht worden waren. Zynische Analytiker haben sogar die Auffassung vertreten, dass die Solidarität mit „den Anderen“ durch Hilfe und Unterstützung in Geldform zum Ausdruck gebracht wurde, während die Sympathie und Empathie allein für „uns“ reserviert blieb. Nach dieser Interpretation haben die Menschen sich von einer wirklichen Solidarität freigekauft.
Die nordische Medienberichterstattung war im Blick auf die Nationen am Golf von Bengalen recht oberflächlich. Es war in der Tat so, dass sich der ganze Medienapparat nach den ersten zwei Tagen ganz auf die Frage konzentrierte, was den Menschen aus den nordischen Ländern in den Katastrophengebieten widerfahren war. Ein intensiveres Interesse an den Nationen am Golf von Bengalen wuchs erst nach einigen Monaten, als Journalisten in die Region reisten, um zu überprüfen, ob die Hilfsgelder angemessen verwendet worden waren. Die Verluste der nordischen Länder waren minimal im Vergleich zu Indonesien, Sri Lanka oder Thailand. Aber die Leser und Zuschauer kritisierten ihre Medien nicht für die Eigennützigkeit und die beschränkte Berichterstattung. Unzufrieden waren die Menschen in den nordischen Staaten aber damit, wie die Medien ihre Leser und Zuschauer behandelten. In vielen Ländern wurde heftig kritisiert, welche Aktivitäten die staatlichen Stellen in Zusammenhang mit dem Tsunami unternahmen oder unterließen, aber auch die Medien bekamen ihren Teil der Kritik ab – selbst wenn man in Rechnung stellen muss, dass diejenigen, die sich veranlasst sahen zu reagieren und Briefe an die offiziellen Untersuchungskommissionen zu schreiben, die waren, die den Eindruck hatten, dass sie oder die von ihnen geliebten Menschen schlecht behandelt worden waren. Die relativ gesehen meiste Kritik an Behörden und Medien wurde in den nordischen Staaten geäußert. Die Ideologie des Wohlfahrtsstaates hat die Menschen offensichtlich zu der Auffassung veranlasst, dass der Staat verantwortlich für das Wohlergehen der Bürger ist, selbst wenn diese freiwillig und ohne die staatlichen Autoritäten zu informieren in weit entfernte Länder reisen. So wurde zum Beispiel dem Premierminister von Schweden angedroht, gerichtlich gegen ihn vorzugehen, weil er die Bedürfnisse der Bürger vernachlässigt habe.
Im Falle der schwedischen Regierung ist das politische Vertrauen der Bevölkerung im internationalen Vergleich recht gering gewesen. Es war schon vor dem Desaster gering, und die Regierung war nicht in der Lage, diese Zahlen durch das Management der Katastrophe zu verbessern. Zunächst einmal schwieg die Regierung bei weitem zu lange. Wenn man versucht, die Gefühle der Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Regierung zu verstehen, ist es wichtig, wahrzunehmen, dass letztlich die subjektive Wahrnehmung der Leistungen der Regierung zählt. Deshalb ist es sinnvoll, sowohl den Informationsfluss als auch die bestehenden Maßstäbe für die öffentliche Bewertung der politischen Akteure während einer Katastrophe zu analysieren.
Inzwischen hat in den nordischen Ländern ganz allmählich eine umsichtige und sorgfältige Diskussion der Rechte und Verantwortlichkeiten der Bürgerinnen und Bürger begonnen. Wie weit reicht die Verantwortung eines Wohlfahrtsstaates, und dies besonders in einer Zeit von neoliberalen Tendenzen und Privatisierung, die sich auch in den nordischen Wohlfahrtsstaaten zeigen? Die Frage ist sehr bedeutsam und zugleich politisch sehr sensitiv, weil die Wohlfahrtsstaats-Rhetorik in Skandinavien immer noch sehr verbreitet ist, obwohl die Verwirklichung einer Wohlfahrtspolitik heute sehr viel eingeschränkter ist als etwa in den 1970er- und 1980er-Jahren.
Die Tsunami-Medienberichterstattung zeigt außerdem interessante globale Tendenzen. Das Internet hat sich schon seit einiger Zeit als Teil der globalen Informationsstrukturen etabliert, aber nie zuvor hat es die Bühne so sehr für eine kurze Zeit beherrscht wie unmittelbar nach der Katastrophe. Das Radio ist traditionell das schnellste Medium für die Verbreitung von Informationen über soziale Veränderungen wie Katastrophen gewesen. Dies war auch diesmal der Fall, aber sehr rasch übernahm das Internet diese Rolle. Der britische „Guardian“ berichtete am 29. Dezember 2004, dass die Nutzung konventioneller Instrumente zur Übermittlung von Nachrichten zu langsam, unzureichend und nicht ausreichend fokussiert war, sodass viele Menschen das Internet nutzten, um mehr Informationen über den Tsunami zu erhalten. Einige Wissenschaftler stellen sogar die These auf, dass in Krisenzeiten wie dem Tsunami die traditionellen Medienanbieter nur noch eine sekundäre Bedeutung haben, während das Internet eine entscheidende Rolle übernimmt. Diese kühn formulierenden Wissenschaftler räumen allerdings ein, dass eine solche Herunterstufung der konventionellen Medien lediglich vorübergehend ist. Nach einigen Tagen nimmt die Bedeutung der konventionellen Medienanbieter wieder zu und sie erhalten ihre vorherrschende Rolle zurück.
Studien zur öffentlichen Wahrnehmung der Medienberichterstattung in den nordischen Staaten lassen erkennen, dass die Menschen sich als Masse behandelt sahen, während sie daran interessiert waren zu erfahren, was den Menschen geschehen war, die ihnen nahe standen und die in der Region Urlaub gemacht hatten. Außerdem hatten sie den Eindruck, dass ihre Verwandten von den Medien unfair behandelt wurden. Menschen, die unter Schock standen, wurden als „normale“ Interviewpartner genutzt, und Kinder wurden in der Weise von Journalisten ausgebeutet, dass sie verzweifelt und hilflos auf den Fernsehbildschirmen auftauchten.
In Nordeuropa löste dies eine Rebellion der Mittelklasse aus, eine Rebellion von Menschen, die ihre Rechte und Verantwortlichkeiten gut kannten, selbst wenn sie oft vorher noch nicht in Kontakt mit den Medien getreten waren. Auch wenn eine jährliche Reise in den Süden zum Lebensstil der meisten Menschen in Nordeuropa gehört, können sich nur die Wohlhabenden eine teure Reise nach Thailand oder Indien leisten.
Die Rebellion der Mittelklasse hätte sich vielleicht in Grenzen gehalten, wenn die Mediennutzungszahlen nicht belegt hätten, dass die Öffentlichkeit sich nicht darauf beschränkte zu kritisieren. Tatsächlich verhielt sich die Öffentlichkeit aber anders als in der Vergangenheit. Die Menschen nutzten neben Fernsehen, Radio und Zeitungen auch das Internet. Das konnte nicht überraschen. Etwa 650.000 Finninnen und Finnen besuchen jeden Tag die Internetseiten der konventionellen Medien und ebenso diejenigen staatlicher Stellen wie Ministerien. Besuche im Internet gehören inzwischen zur täglichen Routine finnischer Mediennutzer. Die Verwendung der Internet-Quellen stieg unmittelbar nach dem Tsunami um ein Drittel. Die stärkste Nutzungssteigerung erlebten nicht die Internet-Angebote der Medien oder staatliche Websites, sondern einige von Amateuren betriebene Websites spezieller Interessengruppen wie die Seite der finnischen Taucher in Thailand und die Finnisch-Thailändische Freundschaftsgesellschaft. In Schweden wurde eine ähnliche Nutzung des Internets festgestellt.
Das Veröffentlichungskonzept solcher Websites war recht ähnlich: eine Mischung von Nachrichten aus den Weltmedien, kleine Details, lokale Informationen und Fotos plus eine Vielfalt von Diskussionsmöglichkeiten. Die Menschen wurden ermutigt sich an Diskussionen zu beteiligen, nach bestimmten Informationen zu fragen, einander zu trösten und eine Verbundenheit zu schaffen, die besagte: Ich hätte einer oder eine von ihnen sein können. Das war offenkundig ein sehr erfolgreiches Format, denn die Zahl der Besucher auf diesen Websites stieg drei Wochen hintereinander stetig an. Die beiden erwähnten finnischen Websites wurden fast drei Wochen lang von mehr als 400.000 Menschen in Finnland täglich besucht. Danach sank die Zahl wieder auf das normale Niveau von einigen hundert Besuchern am Tag.
Die Internetdiskussionen auf diesen Diskussionsseiten als solche boten keine radikal neuen Kommunikationshorizonte. Die Beiträge waren gefüllt mit Nachrichtenfragmenten, narrativen Heldengeschichten, der Verbreitung von Gerüchten, mit Vorwürfen und Aufrufen zu Hilfe und Trost – Elemente, die Elisabeth Anker „Schurken, Opfer und Helden“ nennt. Als solche waren diese Elemente also nicht neu. Sie könnten auch im konventionellen Journalismus gefunden werden. Der Staat und seine Institutionen bildeten dabei ausschließlich Ziele für Vorwürfe und Kritik. Aber die Websites schufen eine Atmosphäre der Offenheit und der Hilfsbereitschaft, die die konventionellen Medien offenbar nicht herstellen konnten. Diese Tatsache weist darauf hin, dass es notwendig ist, das Verständnis von den Empfängern des Mediensystems neu zu klären.
Ein anderes Medium, dass während der Tsunami-Katastrophe in Nordeuropa eine entscheidende Bedeutung gewann, war das Mobiltelefon und insbesondere die SMS-Nachrichten. Für eine kurze Zeit erhöhte sich der Telefonverkehr zwischen Skandinavien und der Region um den Golf von Bengalen um 600-800%. Die Arbeitsteilung könnte so beschrieben werden, dass die Menschen im Internet Trost und Therapie für sich selbst suchten, während das Mobiltelefon zum Mittel wurde, um mit den geliebten Menschen in der Region um den Golf von Bengalen in Kontakt zu treten. Die beiden Funktionen vermischten sich allerdings gelegentlich. Einer der Gründe für Beschwerden war die Tatsache, dass die nordischen Länder selbst mit Informationen über den Tsunami und über Menschen aus den nordischen Ländern im Tsunami-Gebiet überflutet wurden, während die Menschen aus den nordischen Ländern in der betroffenen Region selbst nur vereinzelte und bruchstückhafte Informationen erhielten, und dies vor allem durch kurze SMS-Nachrichten. Selbst die technologisch am weitesten fortgeschrittenen Gesellschaften erreichten mit der Informationsflut nicht die Menschen, die von der Katastrophe am stärksten getroffen waren.
Binnen weniger Wochen fiel die Nutzung der Amateur-Website wieder auf das normale Maß zurück. Demgegenüber ging die Nutzung der konventionellen Medien nicht zurück. Die Kritik an der Berichterstattung der konventionellen Medien beruhigte sich ebenfalls. Zum Beispiel in Finnland wurde eingeräumt, dass der öffentliche Raum gleich nach dem Tsunami überraschenderweise viele konservative Merkmale besaß. Während manche Studien die Feststellung treffen, dass die vielfältige Nutzung von Informationstechnologien zum Abbau von Hierarchien und zur Dezentralisierung Informationsverbreitung führt und die Menschen veranlasst, sich auf Fragen der Zukunft zu konzentrieren, scheint die finnische Gesellschaft genau das Gegenteil davon getan zu haben. Sie erschien eher als altmodisch, hierarchisch und rückwärts gerichtet als auf die Zukunft hin orientiert. Trotz einer überlegt geplanten Politik und schön gestalteten Websites wählten die öffentlichen Einrichtungen eine von oben nach unten ausgerichtete Informationspolitik. Die Medien nutzten vor allem das übliche Nachrichtenformat, das schwerlich als demokratisch und aufmerksam gegenüber den Menschen bezeichnet werden kann. Die Öffentlichkeit war unzufrieden mit Format und Inhalten der Informationen, die sie durch die Medien und die Websites öffentlicher Einrichtungen erhielten.
In den finnischen Medien fehlten in den Tagen nach dem Tsunami nicht Informationen als solche, sondern eine Interaktivität. In dieser besonderen Situation erwarteten die Menschen Interaktivität, denn es bestand ein unmittelbarer Bedarf an Informationen, Trost und Therapie. Grundsätzlich wird die Beziehung von Demokratie, öffentlichem Raum und Journalismus im Internet als enger angesehen im Vergleich zum konventionellen Journalismus, aber dies reichte offenbar nicht aus.
Einige Wissenschaftler haben die Behauptung aufgestellt, dass die Herausforderung durch das Angebot der Webdiskussionen nicht wirklich gefährlich für die Medien ist, weil das Internet eine Tendenz hat, den politischen öffentlichen Raum zu privatisieren, denn einzelne Menschen können ihr Potenzial nur in Isolation nutzen. Selbst wenn die Gespräche in interaktiven Zonen der Internetkommunikation viele Menschen einbeziehen, bleibt die Atmosphäre eines Austausches zwischen Privatpersonen und nicht von Aktionsgruppen erhalten. Dem Individuum fehlt die Möglichkeit, aus der privaten Sphäre herauszutreten in den öffentlichen Raum. Es fehlen eine wirkliche Partizipation und das Potenzial, gemeinsam Kraft und Macht zu gewinnen.
Die neuen Technologien haben neue Wege für die Beziehungen zwischen Medien und Empfängern eröffnet, und die Öffentlichkeit scheint dieses Potenzial der neuen Technologien schneller zu nutzen als die Medien, obwohl die Medien so ausführlich über dieses Thema informieren. Professionelle Medienmacher dachten offenbar, dass sie fortfahren könnten mit einem langsamen und von ihnen gesteuerten Veränderungsprozess, bei dem die Dominanz der Sendenden wie in den konventionellen Massenmedien erhalten bliebe. Aber das ist nicht länger möglich. Das, was nach dem Tsunami geschah, hat diesen Luftballon zerplatzen lassen. Die Menschen – oder zumindest der aktivste Teil der Öffentlichkeit – akzeptieren nicht länger, als Publikum behandelt zu werden, wenn eine Nachricht sie selbst betrifft.
Ein anderer Aspekt, der noch näher untersucht werden muss, ist die Zusammensetzung der Internet-Öffentlichkeit. Die Zahl der Internet-Besucher in der Zeit nach dem Tsunami war enorm hoch, aber nur ein Bruchteil der Bevölkerung beteiligte sich an den Diskussionen im Internet. In Finnland wurde deutlich, dass zwar die Zahl der täglichen Besucher auf den populärsten Websites 400.000 erreichte, aber nur ein kleiner Teil von ihnen, unter 1.000, sich aktiv an den Diskussionen beteiligte, und dies waren offenbar hauptsächlich Menschen mit Verwandten und Freunden in der Region des Golfs von Bengalen. Die Mehrheit verfolgte lediglich die Entwicklungen auf den Websites. Ihr Verhalten ähnelte also dem von Nutzern der konventionellen Massenmedien. Woher kommt es, dass angesichts der großen Möglichkeiten, sich im Internet zu äußern, nur einige ohnehin aktive Menschen dieses Medium nutzen, um sich zu äußern, während die anderen es lediglich nutzen, um festzustellen, welche Themen diskutiert werden? Wenn die Zahl der aktiv Mitwirkenden klein bleibt, lässt sich sagen, dass es sowohl für die Produzenten als auch die Empfänger der Botschaften schwierig zu sein scheint, sich vom Erbe der Massenmedien zu lösen.
Auf jeden Fall lässt sich feststellen, dass während der Tsunami-Katastrophe der Staat und die konventionellen Medien erstmals in großem Umfang auf eine Öffentlichkeit trafen, die das tat, was in den Slogans des „Informationszeitalters“ propagiert wird: Diese Menschen akzeptierten nicht, zu einem Publikum gemacht zu werden, das mit Informationen versorgt wird, die nicht auf sie zugeschnitten waren. Sie wollten spezielle Dienste; sie wollten die Möglichkeit haben, aktiv mitzuwirken, selbst wenn nicht alle diese Möglichkeit dann auch tatsächlich nutzten. In den ersten Tagen nach dem Tsunami fanden weder der Staat noch die Medien eine Antwort auf diese Herausforderung. Ein solches Aufeinandertreffen unterschiedlicher Interessen könnte in den kommenden Jahren häufiger werden und dies auch unter normalen Bedingungen. Keine der beiden Seiten scheint auf diese neue Situation wirklich vorbereitet zu sein. Es ist einfach über Interaktivität zu reden und schwierig, sie umzusetzen – und noch schwieriger ist es, den Menschen wirklich Macht in der Kommunikation zu überlassen.
Ullamaija Kivikuru ist Professorin für Journalismus an der „Swedish School of Social Science“ der Universität von Helsinki/Finnland. Sie war ein Mitglied der Offiziellen Untersuchungskommission, die sich mit den Aktivitäten des Staates und der Nichtregierungsorganisationen sowie der Medienberichterstattung zum Tsunami in Finnland befasste.
Übersetzung aus dem Englischen: Frank Kürschner-Pelkmann