Die Überbrückung der langen „letzten Meile“ in Sri Lanka

Der nachfolgende Beitrag von Nalaka Gunawardene erschien in der Ausgabe 4/2006 der WACC-Zeitschrift „Media Development“.

In den Monaten nach dem Mega-Tsunami vom Dezember 2004 glaubten manche Leute, dass die Länder am Rande des Indischen Ozeans völlig überraschend von der Katastrophe getroffen wurden. Diese falsche Auffassung, die in gleicher Weise von Regierungen und Hilfsorganisationen immer wiederholt wurde, fand – wie dieser Beitrag zeigt – auch Eingang in manche unabhängige Analysen.

Obwohl die Länder in Süd- und Südostasien weit gehend unvorbereitet waren, auf den Tsunami zu reagieren, war dieses Ereignis tatsächlich keine völlige Überraschung. Während die Killerwellen, die ihren Ausgangspunkt im Ozean nahe der indonesischen Insel Sumatra hatten, sich im Tempo von Passagierjets in alle Richtungen auf dem Indischen Ozean ausbreiteten, verbreitete sich die Nachricht vom nahenden Tsunami mit Lichtgeschwindigkeit über das Internet. Wissenschaftler vom „Pacific Tsunami Warning Centre“ (PTWC) in Hawaii, die die außerordentlichen seismografischen Aktivitäten festgestellt hatten, gaben eine Stunde und fünf Minuten nach dem Erdbeben in der Tiefsee eine Tsunami-Warnung heraus.

Das war etwas zu spät für Indonesien, weil dieses Land in der Nähe des Epizentrums des Erdbebens bereits von den Wellen erreicht worden war, aber die Warnung hätte einen großen Unterschied für weiter entfernte Länder wie Indien, Sri Lanka und Thailand machen können. Inzwischen ist nachgewiesen, dass jedes dieser Länder eine glaubwürdige Warnung erhielt, aber zu wenige Empfänger hörten diese Warnung – und noch weniger handelten auf dieser Grundlage.

In Sri Lanka zum Beispiel blieb diese Warnung in den Machtzentren ungehört, und niemand reagierte mit der Schnelligkeit, die eine solche Information erfordert hätte. Institutionelles, technologisches und soziales Versagen zusammen verhinderten in Sri Lanka eine rechtzeitige Verbreitung der Warnung. So traf der Tsunami im Verlauf von fast vier Stunden nacheinander die Küsten der tropfenförmig gestalteten Insel – beginnend mit der Südostküste um etwa 8.30 Uhr lokaler Zeit. Wenn wenigstens zu diesem Zeitpunkt der Rest der Insel alarmiert worden wäre, hätte eine Evakuierung der Küstenregionen auf Sri Lanka eine deutliche Verminderung der Zahl der Opfer ermöglicht. So aber starben 40.000 Menschen, 1 von 500 Inselbewohnern. (1)

Leider geschah nichts: Keine offiziellen Telefonanrufe und keine Katastrophenwarnungen der Polizei wurden in einem Land verbreitet, das so groß ist wie Irland und dessen Inneres zum großen Teil von der Katastrophe an den Küsten kaum betroffen war (einige wenige private Telefonanrufe halfen, einige Menschenleben zu retten). In anderen Teil des vom Tsunami getroffenen Asien haben Regierungsvertreter sich aus unterschiedlichen Gründen dazu entschlossen, die Warnungen nicht zu verbreiten. In Thailand zum Beispiel wollte man die blühende Tourismusindustrie nicht durch einen falschen Alarm beeinträchtigen. (2)

Wo waren all die Informations- und Kommunikationstechnologien?

Es war erstaunlich, dass eine Katastrophe von diesen gewaltigen Ausmaßen an so vielen Orten in Asien eintreffen konnte, ohne dass es vorher öffentliche Warnungen gegeben hätte. Die Region hat in den letzten Jahren eine sehr rasche Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologien erlebt. Aber die gewaltigen Auswirkungen des Tsunami haben gezeigt, dass das rechtzeitige und wirksame Informationsmanagement wichtiger gewesen wäre als das Vorhandensein von Technologien.

Wie Arthur C. Clarke, Schriftsteller und langjähriger Einwohner von Sri Lanka, feststellte: „Die Zahl der Tsunami-Todesopfer hätte stark reduziert werden können, wenn die Warnungen der Wissenschaftler rasch und auf wirksame Weise unter den Millionen Bewohnern der Küstenregionen des Indischen Ozeans verbreitet worden wären. Es ist entsetzlich, dass die hoch entwickelten globalen Kommunikationssysteme an diesem schicksalhaften Tag einfach versagten.“

Clarke, der als Erfinder der Kommunikationssatelliten bekannt geworden ist, fügte hinzu: „Wir müssen uns mit den langfristigen Fragen der besseren Vorbereitung auf Katastrophen, funktionstüchtigen Frühwarnsystemen und realitätsgerechten Methoden des Umgangs mit Katastrophen beschäftigen, um mit Tsunamis und einer großen Zahl anderer Risiken umgehen zu können. Es ist eine absolute Notwendigkeit, die Beobachtungs- und Frühwarnsysteme zu verbessern, aber wir brauchen auch gegen Fehler abgesicherte Pläne zur Auslösung eines Alarms, wenn dieser notwendig ist.“ (3)

Als Antwort auf den Tsunami im Indischen Ozean haben die Vereinten Nationen und Länder, die Entwicklungsgelder bereitstellen, einen Prozess ins Leben gerufen, an dem viele Regierungen beteiligt sind, um ein High-Tech-Tsunami-Frühwarnsystem für die Indischen Ozean aufzubauen. Im Juni 2006 hat die UNESCO – deren Ozeanografische Kommission unter Mitwirkung verschiedener Regierungen dieses Vorhaben koordiniert – berichtet, dass das System „aufgebaut sei und funktioniere“. Insgesamt 25 neue seismografische Stationen können Erschütterungen durch Unterwassererdbeben erkennen, und drei Sensoren am Meeresboden tiefer Zonen des Indischen Ozeans können Tsunami-Wellen an kleinsten Veränderungen des Wasserdrucks feststellen. Weitere technische Geräte, darunter Satellitensensoren und Sensoren auf dem Meeresgrund, werden 2007 und 2008 in das System einbezogen. Ein Netzwerk von 26 nationalen Informationszentren wird die Länder am Indischen Ozean in die Lage versetzen, Warnungen über potenzielle Tsunamis zu empfangen und zu verbreiten, berichtete die UNESCO weiter. (4)

Der Generaldirektor der UNESCO wurde aus diesem Anlass mit der Aussage zitiert, das System müsse „unter realen Bedingungen getestet werden“ und dass der Erfolg des Systems hänge von offenen und freien Datenströmen zwischen den beteiligten Nationen ab.

Der Java-Tsunami vom Juli 2006

Ein solcher „Test“ kam früher, als viele erwartet hatten. Am 17. Juli 2006 ereignete sich ein unterirdisches Erdbeben mit einer Stärke von 7,7 vor dem Ferienort Pangandaran auf Java in Indonesien. Die Erschütterungen wurden von verschiedenen Seismologen-Gruppen in anderen Teilen der Welt festgestellt und innerhalb von 17 Minuten gab das PTWC eine Warnung heraus. Diese Warnung erreichte die indonesische Hauptstadt innerhalb von zwei Minuten per E-Mail, aber den Behörden fehlte ein gut funktionierendes System, um die Warnung in den riesigen gefährdeten Gebieten des indonesischen Archipels zu verbreiten. Zwei Meter hohe Wellen trafen die Küste Javas 37 Minuten nach Ausbruch des Erdbebens. Eine rechtzeitige Warnung der Öffentlichkeit hätte viele der fast 600 Menschen retten können, die durch den Tsunami starben. (5)

Die UNESCO erkannte rasch an, dass es „eine große Lücke bei der raschen Weitergabe der Warnungen an die Bevölkerung in den Küstenorten“ gab. Indonesische Regierungsvertreter erklärten, es sei einfach nicht ausreichend Zeit gewesen, um auf die Warnung zu reagieren.

Der Java-Tsunami unterstreicht noch einmal, was schon seit dem Tsunami im Indischen Ozean immer wieder betont worden war: Selbst das höchst entwickelte Frühwarnsystem wird sich als wirkungslos erweisen, wenn es keine Instrumente gibt, um Warnungen rechtzeitig und zuverlässig zu verbreiten.

Ich habe dies in einem Beitrag für das „Science and Development Network“ im Dezember 2005 so betont: „Die Entwicklung von wirksamen Frühwarnsystemen für eine Vielzahl möglicher Katastrophen ist eine dringende Priorität für die Länder am Rande des Indischen Ozeans. Aber der Aufbau eines modernen und teuren High-Tech-Systems ist für sich genommen noch keine Lösung. Denn auch das am weitesten entwickelte Frühwarnsystem der Welt kann nur den halben Job leisten: die Regierungen und andere Machtzentren wie das Militär alarmieren, dass eine Katastrophe droht. Die viel größere Herausforderung besteht darin, diese Warnung in der kürzestmöglichen Zeit an eine große Zahl von Menschen weiterzugeben, die über ein großes Gebiet verteilt leben.“ (6)

Diese entscheidende Frage bleibt bis heute bestehen: Wie können wir die Nachricht über die äußerst wichtige „letzte Meile“ transportieren?

Wie die Bewohner von Java feststellen mussten, liegt noch keine schlüssige Antwort auf diese Frage vor. Die Fixierung auf technische Spielereien scheint noch immer die Diskussion über die Verbreitung von Katastrophenwarnungen zu beherrschen. Davor hat Bill Clinton, der UN-Sonderbotschaften für den Tsunami-Wiederaufbau gewarnt, als er bei der Dritten Internationalen Frühwarn-Konferenz im März 2006 sagte: „All die raffinierte Technologie würde nichts bewirken, wenn wir die realen Gemeinschaften und Völker nicht erreichen. Satelliten, Bojen und Datennetzwerke geben uns mehr Sicherheit, aber wir müssen in die Ausbildung, den Aufbau von Institutionen und die Bewusstseinsbildung vor Ort investieren.“ (7)

Die „letzte Meile“ in Sri Lanka zurücklegen

Genau die eben genannten Elemente bilden den Kern eines Aktions-Forschungs-Projektes, das gegenwärtig in Sri Lanka durchgeführt wird. Durch die Verbindung von Ausbildungsangeboten für lokale Gemeinschaften, Bewusstseinsbildung und die Nutzung angepasster Informations- und Kommunikationstechnologien bietet es einen „Test in der realen Welt“, dessen Ergebnisse in allen Teilen der sich entwickelnden Welt auf Interesse stoßen wird.

Das „Last Mile Hazard Information Dissemination Project“ ist eine Partnerschaftsinitiative von Zivilgesellschaft und Unternehmen, das andere Programme ergänzen soll, die auf nationaler und regionaler Ebene durchgeführt werden. An dieser Initiative beteiligen sich vier Organisationen in Sri Lanka, die die Rolle von Information, Kommunikation und die Mobilisierung lokaler Gemeinschaften in der Vorbereitung auf Katastrophen erkannt haben:

  • Sarvodaya (8) ist der größte Zusammenschluss von Basis-Entwicklungsorganisationen in Sri Lanka;
  • LIRNEasia (9) ist eine Organisation, die sich mit Forschungsarbeiten und Bildungsprogrammen auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien befasst;
  • TVE Asia Pacific (10) ist eine Medienorganisation, die sich auf Entwicklungskommunikation spezialisiert hat und
  • Dialog Telekom (11) ist ein führender Telekommunikations-Dienstleistungsanbieter.
  • Finanzielle Unterstützung wurde vom „International Development Research Centre“ (IDRC) in Kanada bereitgestellt.(12)

Das Aktions-Forschungs-Projekt hat zum Ziel, zu untersuchen, zu erproben und zu verstehen, wie Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Methoden der Mobilisierung der lokalen Bevölkerung wirksamer genutzt werden können, um Informationen über Katastrophen zu verbreiten, die die Küstenbevölkerung Sri Lankas heimsuchen. Bei diesem Vorhaben geht es nicht nur um Tsunamis, sondern zum Beispiel auch um Küstenerosion, Taifune, Dürren und Flutkatastrophen.

Der Fokus liegt auf der entscheidend wichtigen „letzten Meile“ und dafür soll das Projekt:

  • Unterschiedliche Informations- und Kommunikationstechnologien darauf testen, wie gut sie geeignet sind, jene Menschen vor Ort zu warnen, die unmittelbar bedroht sind und
  • die Fähigkeiten lokaler Gemeinschaften stärken, auf solche Warnungen rasch und systematisch zu reagieren. (13)

In der ersten Phase werden 32 Dörfer in östlichen, westlichen, nördlichen und südlichen Küstenregionen Sri Lankas in das Projekt einbezogen – alles Dörfer, die vom Indischer Ozean-Tsunami betroffen waren. Im Rahmen des Projekts wird untersucht, welche Rolle verschiedene Komponenten im Rahmen eines wirksamen Systems der Katastrophen-Informationsverbreitung für die „letzte Meile“ übernehmen können:

  • Zuverlässigkeit und Wirksamkeit verschiedener Informations- und Kommunikationstechnologien als Instrumente zur Warnung bei Katastrophen;
  • Auswirkungen von lokalen Ausbildungsprogrammen für wirksame Reaktionen auf Warnungen;
  • Beitrag einer organisierten Entwicklungsarbeit in einem Dorf zu einer effektiven Reaktion auf Warnungen und
  • Gender-spezifische Antworten im Rahmen von Bemühungen zur Verminderung negativer Folgen von Katastrophen.

Unterschiedliche Kombinationen von Informations- und Kommunikationstechnologien und Mobilisierungskonzepten der lokalen Bevölkerung werden in den beteiligten Dörfern untersucht werden. Dazu gehören:

  • Festnetztelefone;
  • Sinhala/Tamil SMS (Text Botschaften) zur Warnung über Java-kompatible Mobiltelefone;
  • Sehr kleine „Aperture Satellite Terminals“ (VSATs);
  • „Disaster Warning Response & Recovery“(DWRR)-Einheiten auf der Basis von Satellitenradios, wie sie von der „WorldSpace Corporation“ entwickelt wurden und
  • „Early Warning Network Remote Alarm Device“, entwickelt von der „Dialog Telekom and University of Moratuwa“, Sri Lanka.

Während einige der Informations- und Kommunikationstechnologien seit Jahren oder Jahrzehnten von der Öffentlichkeit genutzt werden, stellen andere neuere Innovationen dar, deren Nutzbarkeit für die Kommunikation zur Warnung vor Katastrophen durch diese Initiative das erste Mal untersucht werden. Aber all diese alten und neuen Technologien sind nur Mittel zum Zweck. Auf der Grundlage der Ergebnisse des Projekts planen wir, eine optimale Kombination von Ausbildung, Mobilisierung der lokalen Bevölkerung und technischen Instrumenten zu entwickeln, die den lokalen Gemeinschaften in Sri Lanka helfen kann, Katastrophenwarnungen zu empfangen und vor Ort zu verbreiten.

Ausbildung von Jugendleitern

Zu den ersten und wichtigsten Aktivitäten des Projekts gehörte die Ausbildung von 30 Jugendleitern der „Sarvodaya’s Shanti Sena“ (Friedensbrigaden), einer freiwilligen Jugendorganisation mit mehr als 100.000 Mitgliedern, die sich der Schaffung des Friedens und der Entwicklung der lokalen Gemeinschaften verschrieben hat. Zur Ausbildung, die von „TVE Asia Pacific“ durchgeführt wurde, gehörte die Vermittlung von Kenntnissen zur Verletzlichkeit und Katastrophen, zum Erkennen von Katastrophen auf lokaler Ebene mithilfe der „Participatory Rural Appraisal“(PRA)-Techniken, zu Kommunikationsrisiken und Katastrophen, zur Wahrnehmung und Reaktion auf Frühwarnungen sowie zur Planung der Reaktion von Gemeinschaften auf diese Warnungen. (14)

Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung im April 2006 kehrten die Jugendleiter in ihre Heimatgebiete zurück, um die Bevölkerung in ausgewählten Küstendörfern auf Katastrophen vorzubereiten. Sie berieten mit jeder Gemeinschaft, welche der fünf im Rahmen des Projektes getesteten Informations- und Kommunikationstechnologien für Katastrophenwarnungen unter den lokalen Bedingungen am besten geeignet sein würde. Bis zum August 2006 hatten sich unterschiedliche Dörfer für unterschiedliche Methoden zur Verbreitung der Warnungen entschieden: Tempel- oder Kirchenglocken, Sirenen, fest installierte oder mobile Lautsprecher sowie andere Methoden.

Aber solche Systeme für die „letzte Meile“ sind nur so gut wie die Informationen und Warnungen, die eingespeist werden. Deshalb hat „Sarvodaya“ in der Zentrale in Moratuwa südlich von Colombo ein „Hazard Information Hub“ (HIH) eingerichtet. Dieses HIH wird rund um die Uhr eng mit den offiziellen Katastrophenwarneinrichtungen der Regierung zusammenarbeiten, ebenso mit vielen anderen internationalen Einrichtungen, die vor Katastrophen warnen.

Die Projektpartner sind sich bewusst, dass sie einen hohen Grad von Verlässlichkeit sicherstellen müssen. „Wir werden uns auf die von der Regierung bestimmten Einrichtungen verlassen, wenn wir eine spezifische Warnung vor einer bevorstehenden Katastrophe verbreiten“, sagt Ravi Kandage, der Koordinator von „Sarvodaya Shanti Sena“. „Unsere Rolle besteht darin, solche Warnungen zu erbitten, zu empfangen und in den beteiligten Dörfern zu verbreiten.“

Dabei wird das Projekt eng mit dem zivilen und militärischen Personal der Regierung zusammenarbeiten, das ausgebildet worden ist, um auf Katastrophen vorzubereiten und damit umzugehen.

Ende des Jahres 2006, einige Monate nach der Einbeziehung der Menschen an der Basis, wird das Projekt den Grad der Vorbereitungen und der Möglichkeiten zur Reaktion auf Katastrophen in den beteiligten Gemeinschaften evaluieren. Eine sorgfältig vorbereitete Simulation einer Warnung und eine planmäßige Evakulierung werden durchgeführt, wobei auch die Effizienz der verschiedenen installierten Informations- und Kommunikationstechnologien getestet werden wird.

Als Sri Lankas größte Entwicklungsorganisation, die in mehr als 15.000 Dörfern arbeitet, hat „Sarvodaya“ ein langfristiges Interesse an diesem Projekt. Es besteht die Hoffnung, dass das jetzige Projekt die Grundlagen dafür legen kann, in allen Dörfern, in denen „Sarvodaya“ tätig ist, die notwendigen Fähigkeiten und Ausbildungsangebote zu entwickeln, um erfolgreich mit Warnungen vor einer Vielzahl von Katastrophen umgehen zu können.

„Eine der wichtigsten Lehren aus dem Tsunami war, in welchem Maße Sri Lanka ein Katastrophenwarnsystem fehlte“, sagt Dr. Vinya Ariyaratne, der Exekutivdirektor von „Sarvodaya“: „Dieses Projekt hat zum Ziel, die Dörfer, in denen wir arbeiten, von der Basis her in der Lage zu versetzen, mit Katastrophen umzugehen. Wenn die offizielle Warnung kommt, so hoffen wir, werden die Dorfbewohner vorbereitet sein, umgehend zu handeln.“

Umgang mit Risiken bei Katastrophen

Dr. Rohan Samarajiva, der Exekutivdirektor von „LIRNEasia“, sieht dieses Projekt als einen Versuch an, vor Ort mit Risiken umzugehen. „Wir sollten keine unnötigen Risiken eingehen, aber wir sollten auch nicht vor jedem Risiko davonlaufen“, sagt er und betont, dass die Entscheidungen auf der Grundlage der besten verfügbaren Informationen und Berechnungen der Risiken getroffen werden sollten.

Nach seiner Wahrnehmung hat Sri Lanka in den letzten Jahren eine Vielzahl von Naturkatastrophen (vor allem Fluten und Taifune) erlebt, aber „wir haben die Möglichkeiten verstreichen lassen, uns auf effektive Weise auf solche Katastrophen vorzubereiten“.

Er sieht einen großen sozialen Nutzen jeder Investition auf diesem Gebiet: „Eine frühzeitig Warnung der Öffentlichkeit schützt die Armen, und dabei ist zu berücksichtigen, dass die Ärmsten oft diejenigen sind, die am meisten durch Katastrophen geschädigt werden. Es ist ermutigend, dass jetzt überall am Indischen Ozean hoch entwickelte Systeme zum Aufspüren und zur Beobachtung von Katastrophen installiert werden. Nachdem dies geschieht, ist die nächste Priorität, wirksame nationale Programme zu beginnen, um Warnsysteme für die ‚letzte Meile’ aufzubauen und gleichzeitig Programme durchzuführen, um Bewusstsein zu schaffen und die Menschen darauf vorzubereiten, wie sie auf Katastrophen reagieren können.“

Regierungen, Gruppen der Zivilgesellschaft und Organisationen der Massenmedien in den Ländern am Indischen Ozean stehen nun vor der Herausforderung, praktische und verlässliche Methoden für Katastrophenwarnungen per Rundfunk zu entwickeln, die alle Gemeinschaften erreichen, die bedroht sind. Je vielfältiger und je weniger bürokratisch solche Systeme sind, desto größer sind die Aussichten, dass mit rechtzeitig verbreiteten Informationen tatsächlich Leben gerettet werden können.

Das „Last Mile Hazard Information Dissemination Project“ kann Pionierarbeit für die asiatischen Länder leisten, die im Schmerz vereint waren, als der Tsunami sie heimsuchte. Sie können nun wiederum gemeinsam dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit sicher leben kann und die lokalen Gemeinschaften auf Katastrophen vorbereitet sind.

Anmerkungen

  1. http://www.lirneasia.net/projects/completed-projects/national-early-warning-system/
  2. Kenia war das einzige Land, das auf Grund der Warnmeldungen tatsächlich vor dem Tsunami warnte und Evakuierungen durchführte. Aber in diesem Fall blieben mehr als 10 Stunden zwischen dem Erdbeben und der Ankunft des Tsunami an der ostafrikanischen Küste.
  3. http://tinyurl.com/yljnzu
  4. http://www.scidev.net/News/index.cfm?fuseaction=readNews&itemid=2945&language=1
  5. Precious minutes: how Java's tsunami exposed the flaws in a warning system, Financial Times, 9 August 2006. www.ft.com/cms/s/b2a6bb58-27d4-11db-b25c-0000779e2340.html
  6. http://www.scidev.net/content/opinions/eng/a-long-last-mile-the-lesson-of-the-asian-tsunami.cfm
  7. http://www.alertnet.org/thefacts/reliefresources/114372361721.htm
  8. www.sarvodaya.org
  9. www.lirneasia.net
  10. www.tveap.org
  11. www.dialog.lk
  12. www.idrc.ca
  13. Project document found at: http://tinyurl.com/ycjzyt
  14. http://www.tveap.org/news/0605tra.htm

Further analysis of ICTs and disaster warning is found in:
Samarajiva, R. (2004) ‘Mobilizing information and communications technologies for effective disaster warning: Lessons from the 2004 tsunami’, New Media and Society (7(6); 731-47.
http://unpan1.un.org/intradoc/groups/public/documents/APCITY/UNPAN022464.pdf
Prepublication version placed online at:
http://www.lirneasia.net/2005/07/icts-and-early-warning/

Nalaka Gunawardene wurde als Wissenschaftsjournalist ausgebildet und arbeitete für Print- und elektronische Medien, bevor er sich 1996 an der Gründung von „TVE Asia Pacific“, www.tveap.org, beteiligte. Er leitet gegenwärtig diese regionale Organisation, die darauf spezialisiert ist, mit Kommunikationsmitteln zur Entwicklung beizutragen und hierfür vor allem bewegte Bilder zu nutzen. Er ist außerdem Vorstandsmitglied des „Science and Development Network“, www.scidev.net. Der Autor dankt Rohan Samarajiva für das Gegenlesen und Kommentare zu diesem Beitrag.

Übersetzung aus dem Englischen: Frank Kürschner-Pelkmann

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