Judith Clarke
The news is partly good: the ITU’s 2006 statistics show the developing world catching up a little with the developed world in using communication technology. The poorer countries are using mobile phones more, buying more computers and getting onto the internet more.1 But that is not the whole story.
*Weil in vielen Statistiken Brunei Darussalam und Timor-Leste (Ost-Timor) wegen des Fehlens von Daten nicht berücksichtigt werden, sind diese Länder nicht in diese Übersicht aufgenommen worden.
+ Dies erscheint als ein sehr niedriger Wert; die Regierung Singapurs gibt 98% für beide Geschlechter für das Jahr 2004 an.
Quellen: Spalten 1-6: ADB, World Bank, UN/UNICEF online statistics; Spalten 7-8: International Telecommunication Union, http://www.itu.int/ITU-D/ict/statistics/
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Es gibt ganz gewiss positive Nachrichten aus Südostasien. Wir können aus der Tabelle sehen, dass jedes Land der Region die Zahl der Mobiltelefone und die Zahl der Internetanschlüsse erhöht hat. In manchen Fällen haben sie sich verdreifacht oder vervierfacht, wenn auch von einem niedrigen Ausgangspunkt aus. Alphabetisierung und Bildung sind recht hoch bis hoch in Südostasien und dies selbst in den Entwicklungsländern der Region. Die digitalen Medien, darunter das Internet, stehen allerdings in der Gefahr, von einigen großen Organisationen beherrscht zu werden.
Anders als andere Weltregionen hat man in Südostasien die Beherrschung der Medien durch transnationale Unternehmen vermieden, aber stattdessen arbeiten die Regierungen intensiv daran, die Äußerungen Einzelner zu marginalisieren. In Teilen Südostasiens wird der individuelle Zugang zu neuen Medientechnologien durch Kontrollen eingeschränkt, noch bevor dieser Zugang überhaupt großen Teilen der Bevölkerung möglich ist.
Dies hat sehr viel mit der Geschichte der Region zu tun. In verschiedenen Ländern haben die Regierungen dafür gesorgt, dass die Presse sehr regierungsnah ist: In Malaysia sind die Zeitungen im Eigentum von Personen, die den herrschenden Parteien eng verbunden sind; in Singapur sind sie Unternehmen zugeordnet, die im Regierungseigentum sind; in Vietnam, Laos und Myanmar sind sie direkt im Eigentum der Regierung oder werden von der Regierung kontrolliert und zensiert. Einige Länder besitzen eine florierende kommerzielle Zeitungsindustrie – Thailand, die Philippinen, Kambodscha, Indonesien -, aber selbst dort hat die Presse recht niedrige Auflagen und wendet sich vor allem an die Elite und die Stadtbewohner.
In allen Ländern der Region mit Ausnahme der Philippinen entstand der Rundfunksektor unter Regierungskontrolle und ist es bis heute weit gehend geblieben. In westlichen Bewertungen des Grades der Pressefreiheit rangierte die ganze Region lange Zeit weit unten. Die jüngste Aufstellung von „Reporter ohne Grenzen“ (2) gibt Kambodscha Platz 90 unter 167 bewerteten Ländern, während Indonesien, Thailand und Malaysia relativ bald nach dem Platz 100 folgen. Auf der Liste des „Freedom House“ 2005 erreichen Thailand und Indonesien die höchsten Werte in Südostasien, wenn auch nur als „teilweise frei“. (3) Auf beiden Listen nimmt Singapur einen der unteren Plätze ein, während Myanmar und Vietnam ganz unten rangieren. Die Philippinen haben einen schlechten Rang, weil Journalismus gefährlich ist: Von 2001 bis 2005 wurden hier 22 Journalistinnen und Journalisten ermordet.
Das Fernsehangebot hat sich seit dem Aufkommen des Satellitenfernsehens beträchtlich vergrößert, aber frühere Vorhersagen, dass internationale Fernsehprogramme ohne Einflussmöglichkeiten der nationalen Regierungen direkt vom Himmel aus die Menschen erreichen würden, haben sich so nicht erfüllt. Tatsächlich war Indonesien eines der ersten Länder der Welt, dass das Satellitenfernsehen eingeführt hat. Mitte der 1970er Jahre gab die Regierung den Start für ihren Palapa-Satelliten frei, um mit ihrem nationalen Fernsehprogramm auch abgelegene Inseln zu erreichen.
Mitte der 1990er Jahre wurden digitale Satellitenfernsehprogramme eingeführt, und dies erlaubte eine sehr viel bessere Ausstrahlung der Signale. Internationale Rundfunkkonzerne haben gerne Deals mit lokalen Unternehmen gemacht, um Kabelprogramme zu verbreiten oder Pay-TV-Boxen zu installieren, weil dies ein größeres Publikum garantierte. Gleichzeitig konnten die Regierungen ausreichend Druck auf die überseeischen Rundfunkkonzerne ausüben, damit diese ein Programmangebot maßgerecht für lokale und politische Sensibilitäten in dem jeweiligen Land zuschnitten. Inzwischen verfügen verschiedene Länder der Region über ihre eigenen kommerziellen Satelliten, die im Eigentum von Gruppen sind, die den jeweiligen Regierungen nahe stehen, und Programme in lokalen Sprachen anbieten. Malaysia und Indonesien können zu Recht stolz darauf sein, mit dem Satellitenfernsehen ländliche Gebiete erreicht zu haben, die vorher wenig Kontakt zur übrigen Welt hatten. Aber der Zugang wird heute immer weniger kostenlos frei Haus geliefert, und es muss öfter für die Programme bezahlt werden, wobei Programminhalte in einheimischen Sprachen sorgfältig überwacht werden. BBC und „Australian ABC“ haben beide ihre internationalen Satellitenprogramme für die Region harmlos gestaltet: Beide sind im Kern kommerzielle Sender und verlören Einkünfte, wenn sie in einem Land verboten würden. Satelliten- und Kabelfernsehen legen heute ein sehr großes Gewicht auf Unterhaltungsprogramme.
Auch Radiosender bleiben in großem Umfang in der Hand der Regierungen, selbst wenn es sehr viel mehr Ausnahmen gibt als beim Fernsehen. Die geheim betriebenen Radiostationen in der Zeit des Kalten Krieges sind verschwunden, aber es gibt einen neuen Konkurrenten, den Sender Radio Free Asia der US-Regierung, der seit Mitte der 1990er Jahre lokale Nachrichten in den lokalen Sprachen der Gebiete ausstrahlt, die von kommunistischen oder autoritären Regimen beherrscht werden. In Burma ist dies einer von verschiedenen verbotenen Sendern, die den Militärherrschern ablehnend gegenüberstehen. Der andere bekannte Sender ist „Democratic Voice of Burma“ (DVB) und wird von Exilburmesen mit finanzieller Unterstützung der norwegischen Regierung betrieben.
In Kambodscha hingegen wird RFA ganz offen über „Beehive FM 105“ ausgestrahlt, einen Sender in Phnom Penh, der eine kritische Position gegenüber der Regierung einnimmt und sehr populär ist. „Voice of America“ und „Radio France International“ nutzen ebenfalls „Beehive“, ebenso ein von den USA gefördertes lokales Menschenrechtsradioprogramm. Es gibt eine regionale Dimension beim Betrieb dieses Senders, denn er hat Gelder und Unterstützung bei der Ausbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch „Radio News Agency 68H“ erhalten, einem unabhängigen Rundunksender in Jakarta, der 1998 mit finanzieller Unterstützung von internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen entstand und per Satellit Programme an über 400 lokale Radiostationen in Indonesien liefert. Solche lokal getragenen Stationen wurden 2002 auch in Kambodscha legalisiert, nachdem Medienaktivisten die Regierung überzeugt hatten, entsprechende Regelungen in das Rundfunkgesetz aufzunehmen, das 2002 verabschiedet wurde. Thailand hat im Jahre 2000 den Betrieb lokaler Radiosender zugelassen. Inzwischen sind etwa 2.000 Sender entstanden, von denen aber viele die erforderliche Lizenz nicht besitzen. Zwei von ihnen wurden von der Polizei gestürmt, angeblich, weil sie die Bestimmungen für den Betrieb von Radiosendern nicht einhielten, aber die Betreiber behaupten, dass der Grund ihre kritische Haltung gegenüber der Regierung von Thaksin Shinawatra war.
In Malaysia hat das „Centre for Independent Journalism“, das von westlichen Nichtregierungsorganisationen und internationalen Organisationen finanziell gefördert wird, 2001 „Radiq Radio“ ins Leben gerufen. Der Sender wird von nur zwei Personen betrieben, die Programme ausstrahlen, die von lokalen Gemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen und Einzelpersonen produziert werden. Von der Website des Senders können MP3-Files von allen heruntergeladen werden, die über einen Internetzugang verfügen. Auf den Philippinen sind ebenfalls viele lokale Radiosender entstanden, aber dort zu arbeiten ist alles andere als eine sichere Tätigkeit: 17 der 22 Journalistinnen und Journalisten, die in den letzten fünf Jahren ermordet wurden, arbeiteten für solche lokalen Stationen.
Singapur ist das einzige Land der Region, das beim „NDP Technology Achievement Index“ eine der 20 Spitzenpositionen einnimmt. (4) Es kann nicht überraschen, dass das Land auch bei der Nutzung von Online-Möglichkeiten durch die Regierung eine führende Position einnimmt. Die Regierung wird aber von westlichen Gruppen, die die Medienberichterstattung beobachten, dafür kritisiert, dass sie alle Kommunikationsinstrumente fest im Griff hat. Die Regierung ist entweder Eigentümerin der Medien oder kontrolliert sie streng, so auch alle drei Internet-Provider. Die Regierung beharrt darauf, dass dies das Beste für Singapur sei. Bei den Wahlen im Mai 2006 waren Wahlkampf und politische Debatten über das Internet in den letzten zehn Tagen vor der Wahl verboten. Damit wurden Blogs der Opposition und deren Pläne für Podcast-Wahlkampfveranstaltungen im Keim erstickt. Blogger müssen sich registrieren lassen, ihnen wird eine Anonymität verwehrt und sie sind damit dem wichtigsten Instrument der Regierung gegen Kritiker schutzlos ausgesetzt, der Einreichung von Verleumdungsklagen. 2005 wurden zwei Studenten-Blogger gezwungen, sich bei einem höheren Staatsangestellten und einer Regierungseinrichtung für kritische Bemerkungen in ihren Blogs zu entschuldigen, nachdem einem von ihnen juristische Schritte angedroht worden waren.
Malaysias „Multimedia Super Corridor“, die Speerspitze der Regierungsanstrengungen, für das Land die regionale Spitzenposition auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien zu erobern, ist nicht mit dem gleichen Niveau der Kontrolle verbunden, was vor allem daran liegt, dass es innerhalb der Regierung sehr ernsthafte Konflikte gibt. Als der damalige Premierminister Mahathir Mohamad 1996 seinen Stellvertreter Anwar Ibrahim entließ, nutzten die Anhänger Anwars die Cyberwelt. Die Regierung wollte ihre Technologiepolitik nicht dadurch ruinieren, dass sie die betreffenden Websites verbot, und begegnete ihnen stattdessen mit technischen, darunter Hacker-Methoden. Eine der wichtigsten Websites, Malaysiakini, und einige weitere Websites sind weiterhin aktiv und verbreiten kritische Auffassungen zur Regierungspolitik, obwohl versucht wurde, ihren Einfluss einzuschränken.
UNDP hat Indonesien und die Philippinen als Länder charakterisiert, die die Informations- und Kommunikationstechnologien „dynamisch auf ihre Situation anpassen“. So werden Länder bezeichnet, die eine High Tech-Industrie und Technologiezentren besitzen, aber gleichzeitig geprägt sind durch eine große Bevölkerung, niedrige Entwicklungsindikatoren und eine ungleiche Verbreitung der Technologie. (5) Thailand kann ebenfalls in diese Kategorie eingeordnet werden, auch wenn Informations- und Kommunikationstechnologien hier bereits eine größere Verbreitung gefunden haben. Es ist wahrscheinlich, dass die ITU-Zahlen über die Internetnutzung zu niedrig sind, weil Internetcafés populär sind und viele Nutzerinnen und Nutzer haben. Ein offizieller thailändischer Bericht nennt eine Zahl von 5.690 Internetcafés für das Jahr 2004.
Vietnam, Laos und Kambodscha, früher kommunistische Länder und immer noch auf einem niedrigen Entwicklungsniveau, bauen inzwischen alle Breitband-Systeme auf und verfügen ebenfalls über viele Internetcafés. Diese werden allerdings bisher in hohem Maße von internationalen Entwicklungsexperten und Besuchern genutzt. Kambodscha, Laos und Vietnam werden bei ihrer Expansionspolitik auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien vor allem durch fehlende Finanzmittel behindert, wobei in den beiden letztgenannten Ländern auch der Wunsch der Regierungen, Kontrolle auszuüben, eine Rolle spielt. In Kambodscha wurde US-Finanzhilfe genutzt, um in den meisten Provinzhauptstädten Zugangspunkte zum Internet zu schaffen, die von Privatunternehmen betrieben werden.
Die Militärregierung von Myanmar, der „State Peace and Development Council“, übt dadurch eine strenge Kontrolle über die Medien aus, dass sie entweder im Eigentum der Regierung sind oder einer strikten Zensur unterliegen. Zugang zum Internet ist nur über das „Myanmar Wide Web“ möglich, eine Art Intranet. Die lokale Presse berichtete, dass die Zahl der Internet-Nutzer Ende 2005 63.700 betrug und dass „Public Access Centers“ (PACs) – von der Regierung registrierte Internetcafés – in 12 städtischen Gebieten eröffnet worden seien. Geplant seien sie für weitere 326 städtische Gebiete in Myanmar. Es wird berichtet, dass es daneben viele nicht registrierte Internetcafés gibt.
Gleichzeitig bietet das Internet viele Möglichkeiten für die sehr aktiven burmesischen Oppositionsmedien, die außerhalb des Landes angesiedelt sind und vor allem für die großen Exilgemeinschaften zugänglich sind. DVB hat eine Website, ebenso die Medien „Irrawaddy“ (finanziert aus den USA) und „Mizzima“ (unterstützt aus Indien). Verschiedene andere Medien operieren vom thailändischen Grenzgebiet aus. Diese oppositionellen Websites sind allerdings für die Menschen in Myanmar selbst nicht zugänglich.
In der Region gibt es Extreme und unterschiedliche Interventionsformen bei der Ausbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologien, aber es lässt sich sehr deutlich erkennen, dass die Verfügbarkeit hoch entwickelter Technologien für große Teile der Bevölkerung nicht automatisch dem Einzelnen das Recht auf Kommunikation bringt. Das Satellitenfernsehen hat viele Teile Asiens erreicht, selbst ländliche Gebiete, aber ist gebändigt worden durch Regierungen und Unternehmen. Singapur und Malaysia haben sehr anschaulich gezeigt, wie das Internet zum Vorteil der Regierungen genutzt werden kann, so dass Menschen, die es nutzen wollen, um eigene Auffassungen bekannt zu machen, nicht nur eingeschränkte Möglichkeiten hierfür finden, sondern auch hohe Risiken eingehen. Myanmar lernt von diesen Beispielen – und das mit der Führung von Myanmar verbündete China hat es bereits getan.
Die Länder mit einem mittleren Entwicklungsniveau öffnen sich sowohl für das Internet als auch für Radiosender lokaler Gemeinschaften – wobei der Konflikt, der entsteht, wenn unterschiedliche Auffassungen geäußert werden, besonders auf den Philippinen zu wirklich gefährlichen Situationen führen kann. Mächtige Interessengruppen wollen die Kontrolle nicht aufgeben, die sie über die Kommunikationsinstrumente ausüben. E-Strategien können nicht erfolgreich eine Informationsgesellschaft aufbauen, wenn die dazugehörigen Freiheiten fehlen. Erforderlich sind außerdem der Schutz und die Ermutigung von einzelnen Menschen und Nichtregierungsgruppen, die den Zugang zu Informationen suchen, um deren Verbreitung zu ermöglichen.
Für die ärmeren Länder bleiben die Kosten das größte Problem. In vielen Gebieten haben die Menschen nicht einmal genug Geld, um ein Internetcafé zu besuchen. Es ist schwierig, in solchen Orten eine wirtschaftliche Grundlage für die Einführung der Technologien zu schaffen. Regierungen können diese Lücke nicht füllen, vorausgesetzt sie haben ein Interesse daran, dass ein solcher unabhängiger Sektor entsteht. Die „digitale Kluft“, auch wenn sie etwas schmaler wird, bleibt ein ganz reales Hindernis in Südostasien.
In einigen Fällen wurde internationale Hilfe bereitgestellt für die Finanzierung von Radioausrüstung und Zentren für den Internetzugang. Auch wurde moralische Unterstützung gewährt. Dies ist oft eine recht sensitive Angelegenheit, weil die Quellen der Finanzierung oder die Länder, aus denen die Gelder kommen, oder die Ideologien, für die sie stehen, bei ostasiatischen Regierungen auf Ablehnung stoßen. Außerdem befürchten die Regierungen, dass die so geförderten Medien oppositionelle Auffassungen verbreiten könnten.
Innerasiatische Unterstützung könnte solche Probleme vermeiden, aber wo sie gegeben wird, geschieht dies mit Geldern aus anderen Teilen der Welt. So kontrovers sie auch sein mag, schafft diese Unterstützung doch Möglichkeiten zum Start von Projekten und ebnet den Weg für den Zugang zu Kommunikationstechnologien für alle.
Anmerkungen
Judith Clarke ist eine frühere Redakteurin und Korrespondentin des Magazins „Asiaweek“. Gegenwärtig ist sie Dozentin am „Department of Journalism“ der „Hong Kong Baptist University“ und hat sich spezialisiert auf asiatische und internationale Medienberichterstattung.
Übersetzung aus dem Englischen: Frank Kürschner-Pelkmann