WACC ehrt Michael Traber

Am 11. März 2006 hat die Weltvereinigung für Christliche Kommunikation (WACC) in einer bewegenden Zeremonie Michael Traber die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit verliehen. Die Zeremonie, an der 25 Kollegen und Freunde teilnahmen, fand im Missionshaus der Bethlehem Mission in Immensee statt, wo der erkrankte Michael Traber betreut wird. Es ist auch das Haus, wo er 1956, also vor einem halben Jahrhundert, ordiniert wurde.

Photo credit: Rey Noel Talattad 
  

Piet Halma (links), der WACC Vizepräsident, überreicht Michael Traber
(rechts) die “Zunge des Feuers”-Auszeichnung als WACC-Ehrenmitglied auf
Lebenszeit.


Der WACC-Generalsekretär Randy Naylor und Vizepräsident Piet Halma leiteten einen Gottesdienst, mit dem der außerordentlich große Beitrag von Michael Traber für die Entwicklung der christlichen Kommunikation besonders in Ostafrika, dem südlichen Afrika und Asien gewürdigt wurde. In den letzten Jahren unterrichtete er am United Theological College, Bangalore/Indien, und half mit, dort ein Master- und Promotionsprogramm zu Kommunikation und Theologischer Ausbildung zu entwickeln.

Photo credit: Rey Noel Talattad 
  

Randy Naylor, der WACC-Generalsekretär, hielt eine Predigt während des
Gottesdienstes zu Verleihung der Auszeichnung einer Ehrenmitgliedschaft
auf Lebenszeit an Michael Traber.

Im Gottesdienst wurden Verse aus Hebräer 11 und 12 verlesen. Zu Anfang des 11. Kapitels heißt es: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Diese Worte kennzeichnen Michael Trabers missionarische Überzeugung. Als Antwort verlas Joe Elsener, seit vielen Jahrzehnten ein Kollege von Michael Traber im Missionshaus, eine kurze Ansprache von Michael Traber, dessen Stimme es ihm nur noch erlaubt zu flüstern.

In der Erklärung von Michael Traber heißt es unter anderem: „Ich betrachte mich als ein Geschenk der katholischen Kirche an die ökumenische Bewegung. Bei der Mitwirkung an dieser Bewegung unterstand ich – und dies gern – der Autorität protestantischer Kirchen. Eine meiner Aufgaben bestand darin, Zeugnis abzulegen vom nahtlosen und ungeteilten Gewand Christi oder vom ökumenischen Charakter der Herrschaft Gottes. Eine zweite Aufgabe bestand darin, nicht nur unter meinen protestantischen Freunden Zeugnis abzulegen, sondern ebenso unter meinen Mit-Katholiken. Ich bin ebenso ein Geschenk der ökumenischen Bewegung an die katholische Kirche.“

Michael Traber bezeichnete die öffentliche Kommunikation der Kirchen „nicht primär als einen Dienst an der Kirche, sondern als ein umfassendes Handeln, das sich ausrichtet an der Förderung des Reiches Gottes. Die Kirche besteht schließlich nicht um ihrer selbst, sondern um des Reiches Gottes willen. Die Werte der Herrschaft Gottes – wie Gleichheit, Gerechtigkeit, Versöhnung, Freiheit, Harmonie, Frieden und Liebe (‚Schalom’) – haben meine Arbeit inspiriert. Mögen diese Werte mich auch bis zum Ende meiner Tage leiten.“

Um die WACC-Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit zu würdigen, wurden Michael Traber eine Urkunde, eine Sammlung schriftlicher Würdigungen und ein Glas mit dem Motiv „Zungen des Feuers“ überreicht.

Der Lebensweg von Michael Traber

Michael Traber (geboren 1929) erhielt seine Schulbildung in der Schweiz,1956 wurde er als Mitglied der Bethlehem Missionsgesellschaft ordiniert. Anschließend ging er in die USA, um Soziologie und Massenkommunikation an der Fordham University und der New York University zu studieren (1956-60). Dieses Studium schloss er mit einer Promotion in Massenkommunikation ab.

Die engen Verbindungen der Bethlehem Mission mit dem südlichen Afrika führten dazu, dass Michael Traber 1962 die Arbeit als Direktor von Mambo Press und Chefredakteur der kritischen Wochenzeitung „Moto“ in Rhodesien (heute Simbabwe) aufnahm. Mambo Press veröffentlicht Bücher und audiovisuelle Medien in Englisch und Shona. Am 9. März 1970 wurde er vom weißen Minderheitsregime Rhodesiens ausgewiesen, nachdem er eine Karikatur veröffentlicht hatte, in der der weiße Rassismus angeprangert wurde.

1970 gründete Michael Traber den Imba Verlag in Fribourg/Schweiz und wurde zum ersten Direktor des Verlages, bevor er nach Afrika zurückkehrte und 1973 bis 1976 als Dozent am „Africa Literature Centre“ in Kitwe/Sambia arbeitete. In diesen Jahren führte er außerdem Forschungsvorhaben im Medienbereich in Äthiopien, Ghana, Malawi, Uganda, Tansania und Sambia durch.

1976 wechselte Michael Traber in den Arbeitsstab der Weltvereinigung für Christliche Kommunikation und wurde zum Direktor des im Aufbau befindlichen „Periodicals Development Programme“ und zum verantwortlichen Redakteur der Vierteljahreszeitschrift „Media Development“ berufen.

Eine seiner ersten Aufgaben bestand darin, mitzuhelfen, Zeitungen im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika zu nutzen. Als der Südafrikanische Kirchenrat SACC in Johannesburg eine Zeitung unter dem Namen „The Voice“ herausbrachte und Mittel zur Finanzierung der laufenden Kosten dieser Zeitung und zur Unterstützung von „Grassroots“ (einer Zeitung der schwarzen Bevölkerung in Kapstadt) suchte, wurde von ökumenischen Partnern vereinbart, hierfür gemeinsam Gelder aufzubringen. Michael Traber leistete einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Mittel für diese politisch „strategischen“ Zeitungen bereitgestellt wurden.

Michael Traber gehörte von den 1970er Jahren an der Kommunikationskommission und dann der Fachgruppe Kommunikation des Ausschusses Ökumenisch-Missionarischer Weltdienst an. Diese Ausschüsse haben im Rahmen der Arbeit des Evangelischen Missionswerkes in Deutschland (EMW) über die Förderung von Kommunikationsprojekten und -programmen in Afrika, Asien, dem Nahen Osten, Lateinamerika, der Karibik und Ozeanien entschieden und ökumenische Partner auch in schwierigen Zeiten beraten und begleitet. Michael Traber hat die Ausschussarbeit durch seine Kenntnis vieler Medien und Kontexte, vor allem aber durch seine Vision von christlicher Kommunikation entscheidend mitgeprägt.

1976 hat die UNESCO als Antwort auf den Ruf vieler Entwicklungsländer nach einer „Dekolonisierung der Informationen“ eine Studie zu den Problemen der Kommunikation in den Gesellschaften dieser Zeit durchgeführt, wobei der technische Fortschritt und neuere Entwicklungen in den internationalen Beziehungen berücksichtigt wurden. Die UNESCO setzte zu diesem Zweck eine Internationale Kommission zum Studium der Kommunikationsprobleme unter Leitung von Seán MacBride ein. Das 1980 veröffentlichte Ergebnis war die Studie „Many Voices, One World: Communication and Society Today and Tomorrow“, deren zentraler Slogan lautete: „Für eine gerechtere und wirkungsvollere Weltinformations- und Kommunikationsordnung“.

Michael Traber hat das Konzept einer Neuen Weltinformations- und Kommunikationsordnung unerschütterlich unterstützt und später ebenso die Werte, denen sich die MacBride-Roundtables verschrieben haben, sowie das Konzept der Kommunikationsrechte. Außerdem hat er sein intellektuelles Gewicht eingesetzt, um ein systematisches Studium der Beziehungen von Theologie und Kommunikation voranzubringen. Daraus wurde 1983 ein WACC-Programm, und dieses Anliegen hat Michael Traber später auch am United Theological College in Bangalore/Indien fortgeführt.

In all diesen Jahren arbeitete Michael Traber eng mit Dr Robert A. White zusammen, dem Forschungsdirektor des „Centre for the Study of Communication and Culture“ in London. Gemeinsam gaben sie die Monografien-Reihe „Communication and Human Values“ heraus, deren Aufgabe es war, zur Weiterentwicklung sozialer Philosophien der Kommunikation auf der Grundlage der Menschenrechte in verschiedenen kulturellen Kontexten beizutragen.

Auf Vorschlag des damaligen WACC-Generalsekretärs Hans W. Florin erarbeitete Michael Traber 1984 acht Thesen zur Kommunikation, die im Zentralausschuss beraten wurden. Er argumentierte, dass Information und Kommunikation dabei seien, die Welt grundlegend zu verändern. Aber statt Gemeinschaft und Solidarität zu schaffen, tendiere die öffentliche Kommunikation dazu, bestehende Spaltungen zu vertiefen, die Kluft zwischen Arm und Reich zu vergrößern, Unterdrückung zu verfestigen und die Realität zu verzerren, um Herrschaftssysteme aufrechtzuerhalten und die zum Schweigen gebrachten Massen der Medienmanipulation auszuliefern.

Auf dieser Grundlage wurden 1986 WACCs „Christliche Grundsätze der Kommunikation“ verabschiedet. Sie bekräftigen, dass wahre Kommunikation Gemeinschaft schafft, partizipatorisch ist, befreit, Kulturen trägt und entwickelt sowie prophetisch ist. Dieser Meilenstein in der Entwicklung von WACC wurde zur theologischen und fachlichen Grundlage für den ersten Internationalen WACC-Kongress 1989 und bildete auch die Grundlage für das erste „Fünf Jahres Studien- und Aktionsprogramm.

Als Michael Traber 1995 seine Tätigkeit beendete und in den Ruhestand ging – allerdings ohne sich von der Kommunikationsarbeit zu verabschieden – wurde zu seinen Ehren das Buch „The Democratization of Communication“ veröffentlicht. Es enthält Beiträge von Menschen, mit denen er gemeinsam auf dem Gebiet der globalen Massenkommunikation zusammengearbeitet hat. In dem Buch wird betont, dass Michael Traber einsteht für „die universalen Werte des Humanismus, allen voran Frieden, Demokratie, Menschenrechte, sozialer Fortschritt und nationale Befreiung, wobei der spezifische Charakter, der Wert und die Würde jeder Kultur geachtet werden müssen, ebenso das Recht jedes Volkes, ihr politisches, soziales, ökonomisches und kulturelles System frei zu wählen und zu entwickeln.“

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