"Super Girl" gibt China einen Vorgeschmack auf Demokratie

Ein Beitrag von Sean Hawkey, Peking

Der „Mongolian Cow Sour Yoghurt Super Girl Contest", besser bekannt als „Super Girl", hat China im Sturm erobert und ein phänomenal großes Interesse gefunden. Es wurde der Öffentlichkeit erlaubt, ähnlich wie in westlichen Shows wie „Pop Idol" per SMS abzustimmen, wer den Wettbewerb gewinnen sollte.

 
  

Li Yuchun aus Chengdu schlug die anderen 120.000 Bewerberinnen des „Super-Girl"-Wettbewerbs. Die Endausscheidung wurde von mehr als 400 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern gesehen.

Li Yuchun aus Chengdu schlug die anderen 120.000 Bewerberinnen des „Super-Girl"-Wettbewerbs. Die Endausscheidung wurde von mehr als 400 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern gesehen. Zum Vergleich: Die Endausscheidung von „Pop Idol" wurde in Großbritannien von 12 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern gesehen, "American Idol" und "Indian Idol" in den USA von jeweils 48 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern. Es wächst eine große Fernsehindustrie in China, die auf Unterhaltungssendungen basiert, und die jedes Jahr mehrere Hundert Millionen Dollar Werbeeinnahmen erzielt.

Die Endausscheidung des Talentwettbewerbs wurde von Kritikern des nationalen Fernsehsenders CCTV als „vulgär, flegelhaft und ohne jede soziale Verantwortung" bezeichnet, aber das hinderte mehr als 400 Millionen Menschen nicht daran, sich diese Sendung anzusehen.

120.000 Bewerberinnen wurden schließlich von der 21-jährigen Li Yuchun geschlagen, und beim Finale waren ebenso kommunistische Lieder wie Volkslieder zu hören. Am Tag der Endscheidung verzeichnete allein die Website sina.com 2,4 Millionen e-mails zum Wettbewerb. Einige Einkaufszentren stellten zusätzlich Sicherheitskräfte ein, um ein Chaos durch „Super Girl"-Fans zu verhindern, die Poster trugen und für ihre jeweilige Favoritin Werbung machten. In den Straßen von Peking und anderen Städten versammelten sich große Menschenmengen. In der Hauptstadt von Hunan, Changsha, feierten Tausende bis zum frühen Morgen die Wahl des „Super Girl".

In der Medienindustrie wurde festgestellt, dass der Verkauf von Zeitungen mit Artikeln zu „Super Girl" weit höher war als derjenige von Zeitungen ohne solche Geschichten. Es gab sogar Gerüchte, dass der erfolgsabhängige Teil des Gehalts von Journalistinnen und Journalisten an die Qualität ihrer Beiträgen zum „Super Girl" gebunden wurde. Am wichtigsten war aber, dass die Öffentlichkeit per SMS abstimmen konnte. Li schlug Shou Bichang knapp mit 3,5 Millionen SMS-Stimmen gegenüber 3,2 Millionen Stimmen, obwohl sie stimmlich unterlegen zu sein schien.

Kommentatoren, von Bloggern bis zu Intellektuellen, begannen sofort, über die Auswirkungen dieser Fernsehshow auf die Demokratie in China zu diskutieren. Ist dies ein Modell für Dinge, die kommen werden, eine Probe für wirklich demokratische politische Abstimmungen? Die meisten Kommentatoren kamen zum Ergebnis, dass es sich schlicht um Unterhaltung handelte. Aber viele äußerten, dass dies ein Beispiel dafür ist, wie Medien den Weg zur Veränderung des Regierungssystems ebnen, die Partizipation der Öffentlichkeit verstärken, den Einfluss der Bevölkerung erhöhen und dass all dies zu einer größeren Rechenschaftspflicht der Regierung führen werde.

Andere kommentierten die Grenzen dieser Form der Demokratie. Viele waren schockiert, dass der übliche Preis von zehn Cents für eine SMS bei „Super Girl" auf einen Yuan erhöht wurde, was die Armen von den Wahlurnen der Unterhaltung ausschloss. Xu Jilin aus Boxun schrieb: „Einem Menschen kann das Wahlrecht nicht genommen werden, nur weil er arm ist."

„EastSouthWestNorth" ging auf die Frage ein, wie repräsentativ die Abstimmung war und forderte die Leserinnen und Leser auf, „sich daran zu erinnern, dass eine Milliarde Chinesinnen und Chinesen keine Mobiltelefone hat".

Die „China Daily" drückte eine tiefere und weit verbreitete Unzufriedenheit mit dem Referendum aus: „Wie kommt es, dass die Imitation eines demokratischen Systems damit endet, dass die Sängerin ausgewählt wird, die die geringste Fähigkeit hat, einen Ton zu halten?" „Super Girl" hat eine unbequeme Wahrheit demokratischer Prozesse und der Medien sichtbar gemacht - es sind nicht immer die am besten geeigneten Kandidatinnen oder Kandidaten, die gewinnen.

Übersetzung aus dem Englischen: Frank Kürschner-Pelkmann

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